Von der Ausgrenzung zur Umarmung in die ewige Gemeinschaft mit Gott

15.10.2026

Gott schenkt uns seinen Frieden und begegnet uns mit Liebe. Jesu prägnantes Gleichnis vom verlorenen Sohn zeigt, wie das Heilsgeschehen Gottes seinen Weg nimmt: von der Ausgrenzung zur Umarmung und zur ewigen Gemeinschaft mit Gott. Wir sind aufgerufen, Jesu Vorbild zu folgen, einander in unserer Würde anzunehmen und den Menschen nicht auf seine Fehler und Schwächen zu reduzieren.

«Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.» (aus Lukas 15,20)

Zu Beginn des Gottesdienstes begrüsst Bischof Ruedi Fässler die Brüder und Schwestern der Gemeinde Glarus. Er bringt seine Dankbarkeit über die Verbundenheit zum Ausdruck und richtet den Gruss Jesu an die Gemeinde: «Friede sei mit dir.»

Dieser Friede ist eine Gabe Gottes und unterscheidet sich von dem Frieden, den die Welt gibt. Streit, Ausgrenzung, Machtmissbrauch und das Streben nach Anerkennung entstehen häufig aus Angst: nicht im Mittelpunkt zu stehen, nicht Recht zu bekommen oder nicht geliebt zu sein. Gott nimmt uns diese Angst. Er liebt uns, schenkt uns einen Platz in seinem Herzen und gibt uns die Gewissheit, dass er für uns sorgt und für Gerechtigkeit einsteht. Wir müssen nicht um Anerkennung und unser Recht kämpfen. Gott liebt uns und kämpft für uns. Diese Gewissheit soll einen tiefen Frieden in uns auslösen.

Von der Ausgrenzung …

Das Gleichnis vom Vater und seinen beiden Söhnen zeigt den Kern des Evangeliums und wie das Heilsgeschehen Gottes seinen Weg nimmt: von der Ausgrenzung zur Umarmung und in die ewige Gemeinschaft mit Gott.

Der jüngere Sohn entscheidet sich, das Vaterhaus zu verlassen. Der Vater respektiert seinen Willen, obwohl er weiss, dass dies grosses Unheil über die Familie bringen wird. Der Sohn verliert sein Geld, seine Würde und seine Sicherheit. Am Ende landet er bei den Schweinen.

Als der Sohn in sich geht und umkehrt, sieht ihn sein Vater schon von Weitem. Er läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Der Vater sieht nicht den Versager, sondern seinen Sohn. Seine Freude über die Umkehr und das Wiedersehen zeigt sich in der Umarmung. Der Sohn bleibt das geliebte Kind seines Vaters.

Gott sieht auch dich. Unsere Würde als Geschöpfe Gottes und unsere Gotteskindschaft gehen nicht verloren, auch wenn wir Fehler machen und Schwächen haben. Gott reduziert uns nicht auf das, was wir falsch machen, sondern sieht den Menschen, den er geschaffen hat und liebt.

Auch wir wollen Zeugen des Evangeliums und damit Mitwirkende im Heilsplan Gottes sein und so handeln, wie Jesus es uns vorgelebt hat. Wir wollen unsere Mitmenschen nicht auf ihre Fehler und Schwächen reduzieren, sondern in ihnen das von Gott geliebte Kind sehen. So können wir dazu beitragen, dass aus Ausgrenzung wieder Gemeinschaft entsteht.

zur Umarmung …

Der Vater geht seinem Sohn entgegen und umarmt ihn, ohne zuvor Bedingungen zu stellen. Diese Umarmung bedeutet keine Verharmlosung der Sünde. Der Sohn ist in sich gegangen, hat seine Schuld erkannt und ist umgekehrt. Umkehr und Busse gehören zum Weg, auf dem Gnade geschenkt wird.

Auch Gott ist uns entgegengekommen. Jesus hat den Ort im Himmel verlassen, ist auf diese Erde gekommen und hat am Kreuz das Opfer gebracht. Seine ausgestreckten Arme sind das Zeichen der Umarmung Gottes. Durch Jesus ist der Weg zurück in die Gemeinschaft mit Gott frei geworden.

Auch wir können aufeinander zugehen. Ein Gebet füreinander oder ein Gespräch kann wie eine Umarmung wirken. Ebenso können wir bewusst den inneren Frieden suchen, wenn uns ein Mensch Unrecht getan hat. Wenn wir selbst Frieden im Herzen finden, können wir unseren Mitmenschen anders begegnen und dazu beitragen, dass wir einander annehmen.

Diesen Anfang sollen wir dort machen, wo wir Einfluss nehmen können und für unser Handeln verantwortlich sind. Wir wollen einander nicht auf unsere Schwächen reduzieren, sondern Raum für Begegnungen schaffen, in denen jeder mit seiner Persönlichkeit und seinen Erfahrungen angenommen ist und die Liebe Gottes erfahren kann.

in die ewige Gemeinschaft mit Gott.

Der Vater bereitet einen Tisch vor und lädt zum gemeinsamen Fest ein. Nun kommt auch der ältere Sohn ins Spiel. Er hat seinen Bruder ausgegrenzt, weil er dessen Rückkehr als ungerecht empfindet. Der Vater erinnert ihn daran, dass er immer bei ihm war und alles, was ihm gehört, auch ihm gehört. Sein Bruder aber war verloren und ist zurückgekehrt. Er hat Busse getan und ist umgekehrt. Deshalb sollen sie gemeinsam feiern.

Auch wir wollen anderen die Möglichkeit geben, umzukehren und Gnade zu finden. Wir sollen uns nicht selbst vom Fest der Gemeinschaft ausschliessen, indem wir anderen ihre Umkehr nicht zugestehen. Jeder von uns braucht die Gnade Gottes, denn jeder Mensch hat die Neigung zur Sünde. Sowohl diejenigen, die umkehren, als auch diejenigen, die sich durch das Verhalten anderer verletzt fühlen, sind eingeladen, sich nicht selbst von der Gemeinschaft auszuschliessen.

Auch im Sakrament des Heiligen Abendmahls schenkt Gott uns sichtbar und erlebbar seine Gnade und Kraft. Wir sind an den Tisch des Herrn eingeladen und dürfen seine Liebe persönlich erfahren. Diese Kraft dürfen wir in unser Leben mitnehmen.

So wollen wir Zeugen des Evangeliums sein und nach Jesu Vorbild handeln. Tiefer Frieden und Gottes Liebe mögen sich in uns ausbreiten und uns stärken, damit wir dazu beitragen, dass Ausgrenzung überwunden wird und Gemeinschaft entsteht. So führt uns der Weg von der Ausgrenzung zur Umarmung und in die ewige Gemeinschaft mit Gott.