100 Jahre Gemeinde Romanshorn: Ein sicherer Hafen

06.09.2026

Höhepunkt des 100-jährigen Gemeindejubiläums war der Gottesdienst mit Apostel Pfützner am Sonntag, 6. September 2026. An diesem warmen Nachmittag versammelten sich die Gemeindemitglieder in Romanshorn, um das besondere Jubiläum gemeinsam zu feiern.

Der Apostel diente mit dem Bibelwort aus Philipper 4,12 und 13: «Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.» Neben den Gemeindemitgliedern durften wir den Stadtpräsidenten sowie zahlreiche Vertreter der ökumenisch verbundenen Kirchen aus Romanshorn herzlich begrüssen. 
Zunächst ging der Apostel auf das Jubiläumslogo «100 Jahre Gemeinde Romanshorn – mein sicherer Hafen» ein: Wozu ist ein Hafen da? Ein Schiff ist nicht dafür gebaut, ungenutzt im Hafen zu liegen. Die Gemeinde als sicherer Hafen versteht sich als wunderbare Zwischenstation. Hier dürfen wir ankommen, Ballast abladen und neue Kraft – frischen Treibstoff für die Seele, Gemeinschaft und Inspiration – auftanken. Doch die Gemeinde ist nicht dazu berufen, sich im Hafen auszuruhen, weil es so bequem ist. Gestärkt und motiviert sind wir eingeladen, immer wieder neu aufzubrechen, um Gottes Liebe und das Erlebte im Alltag mit unseren Mitmenschen zu teilen. 

Danken: Die Jahresringe unserer Geschichte
Wie aber blickt man auf 100 Jahre Kirchengeschichte zurück? Hier half der Blick auf einen abgeschnittenen Baumstamm und die Wissenschaft der Jahresringe. Jeder einzelne Ring erzählt eine eigene Geschichte: Es gibt breite und schmale, helle und dunkle Ringe.
Übertragen auf unsere Gemeinde bedeutet das: Es gab Jahre der Fülle – Zeiten mit vielen Kindern und Jugendlichen, vollen Kirchenbänken, Musik im Überfluss und spürbarem Frieden. Und es gab Jahre des Mangels – Zeiten, die von Abschieden, Trauerfeiern, Konflikten oder herausfordernden Diskussionen geprägt waren.
Auch die schwierigen Jahre gehören zu unserer Geschichte. Inspiriert von den Worten des Apostels Paulus dürfen wir erkennen: Höhen und Tiefen, Überfluss und Mangel haben die Gemeinde über ein Jahrhundert geprägt. Durch alle Zeiten hindurch durften Menschen erfahren, dass Gott sie begleitet und getragen hat. Dafür dürfen wir heute dankbar sein. 
Ein lebendiges Symbol dafür steht direkt an unserer Kirche: der Weinstock, den uns die Adventistengemeinde vor zwei Jahren zur Kircheneinweihung geschenkt hat. Er wurde nicht abgeschnitten, um seine Ringe zu zählen – er lebt, wächst stetig weiter und trägt heute sichtbare, reiche Frucht. 

Schützen: Das zarte Leben bewahren
Als weiteres Symbol für unsere Gemeinschaft wurde ein kleiner Weinstock eingebracht. Er erinnert uns daran, dass göttliches Leben oft klein, zart und verletzlich beginnt. Man kann dem Leben – genau wie einem wachsenden Kind – nicht beim Wachsen zuschauen. Oft erkennt man erst später, was gewachsen ist und welche Früchte daraus entstanden sind.
Daraus ergibt sich ein klarer Auftrag an uns alle: Wir wollen Spurensucher Gottes sein und aufmerksam nach dem Neuen Ausschau halten, das Gott entstehen lässt. Unser Engagement gilt besonders dem Schutz der Kinder und Jugendlichen sowie der Bewahrung geschützter Räume für Seelsorge und Gebet. Wo neues Leben entsteht, braucht es Aufmerksamkeit, Raum und Schutz. 

Vertrauen: Mutig in die Zukunft
Vor sechs Jahren stand die Entscheidung zur Kirchensanierung an. Manche zweifelten leise, ob es richtig sei, so viel Geld in eine vermeintlich «sterbende» Gemeinde zu investieren. Heute zeigt sich, dass dieser Schritt von Vertrauen getragen war: Die Gemeinde lebt und entwickelt sich weiter.
Die Zukunft einer Gemeinde lässt sich nicht wie ein wirtschaftliches Ergebnis planen oder herstellen. Entscheidend ist das Vertrauen darauf, wer mit uns geht: Gott. Ihm dürfen wir vertrauen: «Wir vermögen alles durch den, der uns Kraft schenkt. Durch den, der uns mächtig macht.»
Auch schmerzhafte Erfahrungen und der Verlust geliebter Menschen gehören zu unserer Geschichte. Doch dieses Vertrauen trägt uns: Wir bewahren die Erinnerung an die Verstorbenen im Herzen und gehen hoffnungsvoll weiter. 

Im anschliessenden Predigtbeitrag ging der Gemeindevorsteher auf das Vertrauen, die Gemeinschaft und die Liebe zu Jesus Christus ein. Vertrauen entsteht nur durch Beziehung; dafür braucht es die Liebe zu Gott. Wir wollen immer wieder aufs Neue, in den Tiefen und Höhen, den Blick auf Jesus Christus richten. Als Christen dürfen wir glauben, dass Gott die Liebe ist, uns trägt, uns führt und uns immer nahe ist.
Der Bezirksvorsteher griff in seinem Predigtbeitrag die Frage auf: Hast du auch einen Lieblingshafen? Auch Jesus Christus hatte einen Ort, an den er sich gerne zurückzog, um auszuruhen und neue Kraft zu schöpfen – so gingen Jesus und seine Apostel auf einen Berg, nach Bethanien oder zuletzt in den Garten Gethsemane.

Nach der Feier des Heiligen Abendmahls und den Grussworten der geladenen Gäste endete der Gottesdienst. Anschliessend waren alle Anwesenden zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. 

Autorin: Andrea Gerber